Insulinresistenz by Alicja Kurzius

Über Insulinresistenz

INSULINRESISTENZ – WAS IST DAS?

Insulinresistenz by Alicja Kurzius
Bild: Insulinresistenz Teufelskreis By Alicja Kurzius 
Insulinresistenz (IR) ist ein Zustand der sich durch eine verringerte Insulinempfindlichkeit des Gewebes (Muskeln, Leber, Fettgewebe) bei normalen oder erhöhten Blutzuckerwerten im Serum manifestiert.
Wenn die Glucose im Blut erhöht ist, kann die Insulinresistenz zur Diabetes Typ 2 führen. Oft ist es jedoch möglich dieser Krankheit zu entgehen durch Überproduktion von Insulin (Hiperinsulinämie). Hiperinsulinämie rettet uns so gesehen erstmal von der Diabetes Typ 2, hat jedoch andere negative Auswirkungen auf unser Organismus. 

Hyperinsulinismus ist unteranderem verantwortlich für :

Übergewicht, Fettleber, gestörtes Cholesterin-Management, Regulierung von Blutdruck, Eierstockfunktionen und vergrößert das Tempo für zelluläre Verteilung. Indirekt hat die Insulinresistenz auch somit Einfluss auf die Arteriosklerose.   

Die genaue Ursachen für Insulinresistenz sind bis heute nicht genau bekannt. Die meiste Population ist von der Bauchfett-Problematik betroffen. Zu den anderen Ursachen zählt der erhöhte Konsum von Kalorien, der Verzehr von Produkten mit einem höheren Glykämischen Index, Entzündungen im Körper, entgegengesetzte Wirkung von Insulin auf manche Hormone und das Alter.

Eine große Bedeutung haben auch genetische Faktoren wie familiäre Dispositionen für Übergewicht und Diabetes Typ2.

Wirkung von abdominaler Fettleibigkeit ist immer noch nicht genau wissenschaftlich erforscht. Es scheint, dass diese etwas mit einer chronischen Entzündung im Bauchfettgewebe zu tun hat. 

Die oben genannte Mechanismen betreffen die häufigste Form von Insulinresistenz durch den „Post-Rezeptor“-Defekt, bei der die Störungen die Unregelmäßigkeiten bei der Weiterleitung von Signalen in die Zellen selber bzw. Insulin Rezeptor betreffen. Es gibt aber auch sehr selten andere Formen von Insulinresistenz „Rezeptor“ und „Ante-Rezeptor“, die vom Verlauf und Symptomen anders sind.

INSULIN, ein Hormon, das in den Beta – Zellen (ß-Zellen) der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.
 
SEINE WIRKUNG:
Es ist das einzige blutzuckersenkende Hormon, fördert die Aufnahme der Glucose in das Innere der Zelle. Erst durch das Insulin wird die Glucose zur Energiegewinnung zur Verfügung gestellt.
Insulinresistenz ist ein Zustand des verminderten Ansprechens der Körperzellen auf das Hormon Insulin.
Einfacher gesagt: bei IR kann der Organismus  das Hormon Insulin nicht richtig nutzen.
 
URSACHEN: 
IR kann genetisch veranlagt sein oder erworben durch äußere Bedingungen wie z.B. falsche Ernährung und/oder Mangel an Bewegung.
Insulinresistenz kommt oft mit den anderen Krankheiten oder Syndromen einher:
·         Metabolisches Syndrom
·         Hashimoto Thyreoiditis
·         Diabetes Typ 2
·         Herz-Kreislauf Erkrankungen
·         PCOS (Pco-Sydrom)
Es kann aber sein, dass die letzten vier Erkrankungen eine Insulinresistenz hervorrufen können!
IR kann asymptomatisch verlaufen (ohne Symptome) oder mit Symptomen: 
Schläfrigkeit vor allem nach kohlenhydratreichem Essen, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Trübheit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Leistungsminderung, innere Unruhe,  schnelle Gewichtszunahme trotz „normaler“ Ernährung, Probleme mit Gewichtsreduktion…
Das alles auch im Bezug zu:
·         Bluthochdruck
·         Kohlenhydrat-Stoffwechselstörung
·         Hypercholesterinämie
·         Hypertriglyceridämie
     ·         Androide Adipositas (Fettverteilungstyp: Apfelform)
 
DIAGNOSTIZIERUNG:
Wie kann ich es selber herausfinden, ob ich übergewichtig /adipös bin und somit eventuell betroffen sein kann? Es gibt 2 Methoden.
 
Die erste Methode: Body Mass Index (BMI) 
BMI Formel: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat
 
Beispiel für 167 cm Körpergröße und 62 kg Gewicht:
BMI = 62 / (1,67 * 1,67) = 22,3
Normalgewicht 19–24,9
Übergewicht 25–29,9
Adipositas / Fettsucht Grad I 30–34,9
Adipositas / Fettsucht Grad II 35–39,9
Adipositas / Fettsucht Grad III ≥ 40
 
Die zweite Methode: Waist to Hip Ratio (WHR)
WHR Formel:Taillenumfang (in cm) / Hüftumfang (in cm)
 
Erhöhtes Risiko besteht bei Frauen bei
WHR > 0.85 oder bei Taillenumfang höher als 88cm.
Bei Männern bei einer WHR > 1.0. oder bei Taillenumfang höher als 102cm
 
Frauen sollten einen Wert unter 0.8 und Männer einen Wert unter 0.9 anstreben.
 
BMI alleine ist aber nicht immer aussagekräftig. Je nach Knochendichte, Muskulatur und Schwere können die Werte variieren und/oder verfälscht sein.
Ebenso reichen die BMI und WHR Werte nicht um die Diagnose Insulinresistenz festzustellen. 
Um die Diagnose zu stellen sind Labor Untersuchungen notwendig. Eine erweiterte Insulin Bestimmung kann mit Ogtt (Orale Glucose Toleranz Test) gemacht werden.
Sehr hilfreich ist auch ein Homa Index um Einzuschätzen wie ausgeprägt die Insulinresistenz ist.
 
Dazu werden zwei Blutparameter gebraucht:
Glucose (Blutzucker) und Insulin, beide nüchtern entnommen in derselben Zeit von der selben Blutprobe!
Aus der Bestimmung dieser zwei Parameter wird ein Homa Index und Quickie Index berechnet:
HOMA -Index IR (Homeostatis Model Assessment)
Formel: R= Insulin-nüchtern (µU/ml)x Glucose-nüchtern (mmol/l) /22,5
Bei Werten R > 0,91 (+/- 0,38) spricht man von Insulinresistenz
bei manchen Quellen gelten Werte von   >1,0 oder >1,5 oder  >2
In Deutschland ist der Wert >2 gängig
 

Quickie Index (Quantitative Insulin Sensitivity Check Index)                          Formel:1/(log Insulin nüchtern (µU/ml)+log Glucose nüchtern (mmol/l)).

Bei Werten < 0,34 spricht man von einer IR und auch bei einem Homa Wert
Da die Insulinresistenz aber sehr oft mit anderen Symptomen bzw. Störungen der Zucker- und Insulinstoffwechsels (Hyperinsulinämie oder Hypoglykämie) einhergeht, ist ein Zucker-Belastungstest (OGTT) mit Bestimmung des Insulin sehr empfehlungswert!
 

WIE WIRD INSULINRESISTENZ BEHANDELT?

 

  • ERNÄHRUNG
Verzicht auf einfache Kohlenhydrate und Zucker (komplexe KH sind zu empfehlen).
Bei Insulinresistenz wird eine Ernährung, die auf einen niedrigen Glykämischen Index und sporadisch einen mittleren Glykämischen Index basiert empfohlen. Glykämischer Index (kurz Glyx oder GI): ein Maß für den Anstieg von Blutzucker nachdem man etwas gegessen hat. Je langsamer der Blutzuckerspiegel steigt, desto länger dauert das Sättigungsgefühl und es entsteht eine „ruhige“ Steigerung/ Ausschüttung von Glucose und Insulin. Produkte mit einem hohen GI sollten vermieden werden, vor allem dann, wenn die Werte sich nicht stabilisiert haben! Wichtig sind auch, die Kohlenhydratmengen und GL (Glykämische Last) ebenso wie die Kombination von Produkten.

Es werden 130-150g Kohlenhydrate (2-4g pro 1 kg Körpergewicht) je nach Lebensstil, Alter, Gewicht, körperlicher Aktivität empfohlen. Also die KH sollten ca. 30%  täglich von unseren Bedarf auf Energie (kcl) abdecken. Das wird aber individuell je nach Situation an jeden einzelnen angepasst – am besten durch einen kompetenten Ernährungsberater.

Da die Insulinresistenz eine lebenslange Ernährungsumstellung bedarf, werden keine Ernährungsformen oder Diäten mit weniger als 130KH/Tag empfohlen. Eine gesunde ausgewogene Ernährung die auf einem niedrigen GI und GL basiert, reicht im den meisten Fällen aus, um dauerhaft die Werte zur verbessern und wenn nötig abzunehmen. Eine zu kleine Zufuhr von Kohlenhydraten kann die Schilddrüsen Funktion schwächen, vor allem bei Frauen, bei denen das Hormonsystem extrem sensibel ist. Einmal dysreguliert kann es manchmal Monate bis Jahre brauchen, um wieder optimal arbeiten zu können.

Wichtig ist auch zu wissen, dass es nicht DIE Ernährungsform gibt! Da jeder anders ist, sollte man den eigenen Körper in dem Bezug kennen und auf ihn hören. 
Ausnahmen in der Stabilisierungsphase sind nicht empfohlen, da es dann passieren kann, dass trotz Essensumstellung die Werte nicht verbessert werden oder die oft gewünschte Gewichtreduktion nicht eintritt.
Empfohlen sind 3 bis 5 Mahlzeiten am Tag; das ist sehr individuell mit der Tendenz eher zu 5 Mahlzeiten, vor allem bei den Personen, die an Hypoglykämie leiden. Zwischen den Mahlzeiten sollte möglichst nur Wasser getrunken werden, um eine zusäztzliche Insulinauschüttung zu vermeiden.
Ernährung sollte gut ausgewogen sein d.h. gut bilanzierte Mahlzeiten. Verzicht auf Zucker, Süßungsmitteln und stark verarbeitete Lebensmitteln sowie Transfette. 
 
  • KÖRPERLICHE AKTIVITÄT 

Mindestens 30 Minuten am Tag! Wenn es dazu kommt, dass das Gewebe resistent auf das Insulin ist, verringert sich in diesem die Menge an Insulinrezeptoren. Hier hilft uns die körperliche Aktivität. Bewegung wirkt ähnlich wie das Insulin –  es hilft bei dem Transport von der Glucose (Zucker oder auch kurzkettige Kohlenhydrate) in das Gewebe. Somit hilft uns Sport, die Empfindlichkeit auf das Insulin zu steigern und begünstigt die Gewichtabnahme. Körperliche Aktivität ist der 2. wichtigste Teil bei der Insulinresistenz- Therapie nach der Ernährungsumstellung.

Bevorzugt werden Sporteinheiten empfohlen, die niedrige oder mittlere Intensivität haben. Z.B. schnelleres Gehen, Laufgang, Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen, Aqua Fitness, Stretching, Yoga, … 10.000 Schritte sind empfohlen! Körperliche Aktivität sollte jedoch immer persönlich angepasst werden. Dies kann je nach Alter, gesundheitlicher Situation, Blutwerte und eigenen Vorlieben angeglichen werden. Viele fühlen sich gut auch bei Kraftsport und es wirkt sich nicht negativ auf die Genesung aus. Kombination aus Ausdauer und Kraftsport ist zu empfehlen. 

  • STRESSBEWÄLTIGUNG 

Wenn wir viel Stress haben (kann auch durch zu viel Sport ausgelöst sein), schüttet unser Organismus zu viel Cortisol aus, das einen negativen Einfluss auf unsere Fettzellen hat.

Cortisol ist ein körpereigenes Stresshormon, das in Notsituationen Sinn macht und so Energie für den Körper bereit hält. Jedoch bei zu viel Stress gerät unser Körper in eine permanente Notsituation und verhält sich dabei komplett anders. Insulinresistenz bring sehr viele Symptome mit sich, die sich auf unser psychisches Befinden auswirkt. Wenn wir uns schlecht fühlen, können wir uns auch schlechter aufrappeln und an unserem neuen Lebensstil arbeiten. Es ist wichtig, auch an diesem Aspekt zu arbeiten – so wie jeden Tag Zeit für sich zu finden, weit weg von dem stressigen Alltagsleben. Egal, ob wir im Wald spazieren gehen, ein  Buch lesen oder in der Badewanne uns entspannen. Manchen Menschen hilft auch autogenes Training oder Fantasiereisen. Es gibt dazu zahlreiche Bücher, CD, Apps für Handys und You Tube-Programme. Auch der Gang zu einem Psychologen kann sehr hilfreich sein, wenn man spürt, dass es nicht besser wird und man dauerhaft gestresst ist.  

  • MEDIKATION 
U.a. Metformin ist rezeptpflichtig. Die Dosierung ist abhängig von den Werten und wird durch den behandelten Arzt verschrieben. Wichtig hier, die Dosis langsam(!) zu steigern, um die Nebenwirkungen am Anfang zu minimieren.

Metformin ist ein Antidiabetikum aus der Gruppe der Biguanide. Es wird aber erfolgreich bei Insulinresistenz angewendet, nicht seltener als ein Abnehmmittel. Da ist es aber zu beachten, dass es so gesehen kein Abnehmmittel ist!

Durch die Nebenwirkungen, vor allen am Anfang und/ oder wenn es zu hoch dosiert ist, kann es zu Darmproblemen und Appetitverlust kommen, somit zu einer Gewichtsabnahme.
Metformin ersetzt aber hier keine ausgewogene IR Ernährung/Diät!
Nahrungsergänzungsmittel: Inositol, frei verkäuflich und wird auch oft unterstützend eingenommen.

Da bei einer IR oft Vitamin-D-Mangel besteht, ist auch empfehlenswert diesen zu  untersuchen.

Kann man die Insulinresistenz heilen?
Das alles ist von den Gründen für die Entstehung der Insulinresistenz abhängig.
In den meisten Fällen ist die Insulinresistenz heilbar.
Wenn der Grund auf dem erworbenen Faktor liegt > falscher Lebensstill (falsche Ernährung, keine körperliche Aktivitäten, Alkohol, viel Stress, Übergewicht) dann ist es ein Zustand, den man ändern kann. 
Wenn die Ursachen genetisch bedingt sind, kann es passieren das die Behandlung viel schwerer und länger wird. Was aber nicht heißt, dass es dann auch nicht möglich ist die Insulinresistenz zu besiegen. Sehr wichtig ist, dass man aber in beiden Fällen sich bewusst sein sollte, dass eine Rückkehr in alte Muster erneutes Übergewicht zur Folge haben kann; sowie zu viel körperliche Aktivität können dafür sorgen, dass man wieder seine Werte verschlechtert und eine erneute Insulinresistenz eintritt. 
 
Was hat negativen Einfluss auf Insulinresistenz:
1. Rauchen
kann auch zusätzlich die Zellen-Sensibilität für die Insulin vermindern und wirkt sich so auch negativ auf IR aus.
2. Alkohol
Man sollte vor allen auf ‚bunten‘ Alkohol und Mix-Getränke verzichten, da diese Zucker enthalten. Ebenso Bier hat einen hohen GI. Vor allem aber dann, wenn man Medikamente nimmt. 
3. Stress
Stress wirkt sich auch negativ auf IR. In Stresssituationen schüttet der Organismus das Hormon Adrenalin und Cortisol aus, was dann die Konzentration der Glucose steigert und somit auch dann die Insulin Ausschüttung.
Alle diese 3 Faktoren wirken sich allgemein negativ auf unsere Gesundheit und sollten vermieden/ reduziert werden!
 
MÖGLICHE FOLGEN EINER INSULINRESISTENZ:
(wenn sie nicht behandelt wird)
 
  • Diabetes Typ 2
  • Retinopathie
  • Nephropathie
  • Neuropathie
  • Diabetischer Fuß
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall und Folge dessen kann es auch zum Tod führen.
 
 
 
 
 
Quelle:
Bücher :
„Allgemeine und Spezielle Krankheitslehre“ Karin Götsch
„Biologie Anatomie Physiologie“ 6 Auflage Urban&Fischer
„Insulinooporność – zdrowa dieta i zdrowe życie“
GI Angaben : Glyx Tabelle


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